Es gibt viele Mythen und Irrtümer über die Angst rot zu werden, auch Erythrophobie genannt. Dieser Artikel soll Betroffenen und deren Angehörigen helfen, indem er mit den häufigsten Mythen aufräumt.
1. Nur ich, oder kaum jemand hat Angst zu erröten
Sie sind nicht alleine! Verschiedenen Studien zufolge haben zwischen 2% und 9% aller Menschen einmal in ihrem Leben mit der Angst vor dem Erröten zu tun. Für Deutschland bedeutet das, dass ungefähr 1,6 bis 7,2 Millionen Menschen einmal im Laufe ihres Lebens betroffen sind. Sie sind also nicht alleine.
2. Jeder sieht, wenn ich einen roten Kopf bekomme
Sobald Sie erröten spüren Sie die körperlichen Empfindungen, die damit verbunden sind. Ihnen wird heiß, das Gesicht fühlt sich schon fast brennend an und das ganze scheint eine Ewigkeit anzudauern. Gefühlt muss der Kopf knallrot sein. Es ist aber durchaus möglich, dass andere Personen nichts oder kaum etwas wahrnehmen. Wie rot das Gesicht tatsächlich wird, hat nichts mit den körperlichen Empfindungen zu tun. Es hängt von der Beschaffenheit der Haut ab. Bei Menschen mit einer dünnen hellen Oberhaut und großen Blutgefäßen in der darunterliegenden Lederhaut ist die erhöhte Durchblutung stärker sichtbar. Es kommt also auf die Hautfarbe, die Dicke der Oberhaut und die Größe der Blutgefäße an. Das, was sich für Sie nach einem knallroten Kopf anfühlt, kann für andere kaum wahrnehmbar sein.
3. Andere Menschen mögen mich nicht, weil ich rot werde
Der einfachste Weg herauszufinden ob das so ist, ist es andere Menschen zu fragen. Aber das ist für Betroffene oft nicht so leicht. Deshalb hier ein paar Tatsachen. Erröten wird von anderen normalerweise als sympathisch wahrgenommen. Sie zeigen unverstellt und authentisch Emotionen und das löst in ihrem Gegenüber Empathie aus. Sie wirken auch vertrauenswürdiger, weil Sie durch das Rot werden Emotionen offen zeigen. Und wenn Sie doch einmal bei anderen nachfragen können Sie feststellen, dass andere sie nicht trotz des Errötens, sondern wegen des Errötens schätzen.
4. Wenn ich nicht mehr rot werde, dann habe ich kein Problem mehr
Erröten ist eine ganz normale körperliche Reaktion. Sobald Sie in ihrem Arbeitsleben, oder in ihrem Privatleben mit Menschen zu tun haben, kommt es mit Sicherheit zu Situationen,
in denen Sie erröten werden. Es ist hilfreicher sich auf das Ziel zu fokussieren, dass rot werden in der Zukunft ein kurzes vorübergehendes Ereignis wird, dem Sie kaum mehr Beachtung schenken.
5. Nur durch eine Operation oder durch Medikamente kann ich meine Angst loswerden
Das Erröten lässt sich durch eine Operation am Sympathikusnerv ausschalten. Allerdings wird die Operation wegen der möglichen Komplikationen sehr selten empfohlen. Bei vielen Menschen tritt nach der Operation verstärktes Schwitzen oder Zittern als auf. Beta-Blocker können die Wirkung des Sympathikusnervs dämpfen und damit die Rötung des Gesichts mindern, jedoch ist dazu eine relativ hohe Dosis notwendig, was die Wahrscheinlichkeit von ungewünschten Wirkungen erhöht. Gegen die Angst vor dem Erröten werden Angstlöser (Anxiolytika) und Antidepressiva verschrieben. Diese können aber auch wieder ungewünschte Wirkungen haben. Als nichtmedikamentöse Therapie hat sich die Kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit einem Aufgaben-Konzentrations-Training als sehr effektiv erwiesen. Durch BWRT kann das Problem in zwei bis drei Sitzungen gelöst werden. Es gibt also weitere effektive Behandlungsmöglichkeiten.
6. Irgendwie ist das alles meine Schuld
Gefühle von Scham, Schuld und ein geringes Selbstwertgefühl sind Symptome, die oft mit einer Phobie einher gehen. Manche Betroffene haben auch das Gefühl, dass sie außer Kontrolle sind, oder ziehen sich von anderen Menschen zurück. Machen Sie sich folgendes klar. Sie haben das Problem nicht gewählt. Es kann deshalb nicht ihre Schuld sein. Sie haben jedes Recht sich Hilfe zu holen. Auch wenn Sie vielleicht denken, dass Sie ein hoffnungsloser Fall sind, geben Sie nicht auf. Es gibt mit Sicherheit auch für Sie die passende Behandlung mit der Sie ihr Problem lösen.



