BWRT®: Wie eine wissenschaftliche Entdeckung eine Revolution in der Psychotherapie auslöste
Die wissenschaftliche Grundlage: Libets bahnbrechende Experimente
Benjamin Libet, ein Professor an der University of California, führte 1983 Experimente durch, die etwas Erstaunliches zeigten: Es gibt eine messbare Verzögerung – bis zu mehr als eine drittel Sekunde – zwischen dem Moment, in dem das Gehirn beginnt auf einen Reiz zu reagieren und dem Zeitpunkt, zu dem wir uns dieser Reaktion bewusst werden. Mit anderen Worten: Unser Gehirn startet eine Handlung bevor wir uns dessen bewusst sind und unser Bewusstsein bekommt die Handlung erst mit, wenn sie schon längst begonnen hat.
Bemerkenswerterweise gilt das sogar für die Entscheidung unsere Meinung zu ändern: Auch diese wurde getroffen, bevor wir uns ihrer bewusst werden.
Genau in diesem winzigen Zeitfenster zwischen dem Beginn einer Handlung und ihrem Auftauchen im Bewusstsein setzt BWRT® an. Die Methode ermöglicht es,, in diesem Zeitfenster Veränderungen zu bewirken. Destruktive Muster von Denken, Fühlen und Verhalten können so vollständig durch neue, hilfreichere Muster ersetzt werden.
Der Entwickler: Terence Watts
Terence Watts ist der Entwickler von BrainWorking Recursive Therapy (BWRT®). Sein Weg begann als Programmierer, bevor er sich zu einem der führenden Psychotherapeuten im Vereinigten Königreich entwickelte. Seine Qualifikationen sprechen für sich:
- Fellow der Royal Society of Medicine
- Mitglied des City & Guilds Institute of London
- Autor mehrerer Fachbücher
- Erfahrung aus mehr als 35.000 Therapiesitzungen
- Leiter des Essex Institute of Clinical Hypnosis
- Leiter des Terence Watts BWRT Institute
Der Geistesblitz: Von der Theorie zur Therapie
Terence Watts war von Libets Forschung fasziniert. Wie so oft bei großen Ideen entstand BWRT aus einem Moment der Inspiration: Die Erkenntnis, dass Reaktionsmuster im Gehirn initiiert werden, bevor sie ins Bewusstsein gelangen, lieferte plötzlich eine Erklärung für viele psychische Probleme seiner Klienten.
Sätze wie: „Warum um alles in der Welt sage oder tue ich das?“, „Warum muss ich mich so fühlen?“ oder „Ich kann einfach nicht anders als...“ ergaben nun endlich Sinn, ebenso wie reflexartige Reaktionen wie Angst und Panik. Watts erkannte das Potential: Mit weiterer Forschung ließe sich daraus eine Intervention entwickeln, die effektiver wäre, als alles bisher Bekannte.
Die Partnerschaft mit Rafiq Lockhat: Praxistest und Weiterentwicklung
2013 absolvierte Rafiq Lockhat, Klinischer Psychologe aus Südafrika und Dozent an der University of the Western Cape, eine BWRT-Ausbildung. Er war begeistert und erkannte das Potential dieser Methode als psychotherapeutische Revolution – insbesondere für die Therapielandschaft in Südafrika.
Lockhat wurde zu Terence Watts Forschungspartner und gemeinsam entwickelten sie die Methode entscheidend weiter. Der Ablauf der Zusammenarbeit war denkbar praxisnah: Lockhat arbeitete in einer Klinik und hatte somit Zugang zu Patienten in einem sicheren, geschützten Rahmen und konnte BWRT dort direkt in der Behandlung erproben. Jeden Abend besprach er dann per Videokonferenz mit Tereence Watts die Therapiesitzungen des Tages – acht Monate lang, Tag für Tag. In diesem intensiven Austausch wurden nicht nur einzelne Fälle diskutiert, sondern auch Trainingsinhalte und Anwendungsmöglichkeiten von BWRT gemeinsam weiterentwickelt und verfeinert.
Bis September 2014 hatte Rafiq Lockhat auf diese Weise über 200 Fallstudien gesammelt, eine solide Basis, um BWRT auf einem Kongress in Südafrika zu präsentieren und die Wirksamkeit dieser Therapieform zu belegen.
Die Geburt der weltweiten BWRT-Ausbildung
Im selben Monat reiste Lockhat ins Vereinigte Königreich. Eine ganze Woche lang arbeiteten er und Watts gemeinsam an den Schulungshandbüchern um BWRT künftig weltweit lehren zu können.
Zurück in Südafrika präsentierte Lockhat seine Ergebnisse auf dem PSYSSA-Kongress in Durban – und stieß auf große Begeisterung bei seinen Kollegen, die daraufhin selbst eine Ausbildung in BWRT anstrebten. Die erste offizielle Ausbildung fand im November 2014 in Durban statt.
Setdem (Stand Juni 2014) hat Rafiq Lockhat fast 2000 Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater in ganz Südafrika ausgebildet.
Südafrikas Beitrag zur Weiterentwicklung von BWRT
Die südafrikanischen Therapeuten haben maßgeblich dazu beigetragen, neue Anwendungsgebiete für BWRT zu erschließen, unter anderem:
- Einsatz bei geistigen Behinderungen
- Gruppentherapie bei homogenen Traumata
- Gruppentherapie in Schulen und Universitäten bei Prüfungsangst
- Paartherapie
- Trauerbegleitung
Ständige Forschung, Peer-Supervision und intensiver Erfahrungsaustausch schaffen bis heute ein ideales Umfeld für die kontinuierliche Weiterentwicklung von BWRT.
Die weltweite Verbreitung
Auch im Vereinigten Königreich ging die Entwicklung parallel weiter. Terence Watts entwickelte spezialisierte Behandlungsverfahren für konkrete psychische Erkrankungen, darunter Leitlinien für die Therapie von:
- Traumata
- Generalisierten Ängsten
- Zwängen
- Abhängigkeit
- Depressionen
- Selbstwertproblemen
Neben Südafrika verbreitete sich BWRT zunächst in englischsprachigen Ländern wie Kanada, den USA, Australien, Neuseeland und Irland. Mittlerweile komen jedoch zunehmend auch Therapeuten, Psychologen und Psychiater aus nicht englischsprachigen Ländern hinzu – man kann heute von einer weltweiten Verbreitung sprechen.



